Geographie & Geoinformatik - Volkskunde - Bauforschung & Baugeschichte - Denkmalpflege

Historische Geographie

Auch wenn sich in den klassischen Definitionen die Historische Geographie auf kulturgeographische Fragen beschränkt, gehören Fragen der physischen Geographie, der historischen Geologie, der historischen Klimaforschung usw. untrennbar dazu, denn auch der natürliche Einfluss auf die Landschaft geht weiter.

Dass bestimmte Kulturlandschaften entstehen konnten, ist dafür notwendigen natürlichen Voraussetzungen geschuldet. So sind Landschaften durch die Baustoffe geprägt, die der Mensch dort fand, wo er sich niederließ. Wasserversorgungsanlagen wurden zuerst dort angelegt, wo die natürliche Grundlage Wasser ganz oder teilweise fehlte; die Almwirtschaft entstand, so wie wir sie kennen, weil Klima, Landschaftsform und Bodenverhältnisse eine andere Bewirtschaftung nicht zuließen.

Der Übergang von der Naturlandschaft zur Kulturlandschaft ist fließend, denn der Mensch ist grundsätzlich ein Teil der Natur. Ebenso wie der Mensch die Landschaft in seinem Sinne gestaltet, tun dies in begrenztem Umfang auch Tiere: Maulwürfe graben ihre Gänge, Füchse graben ihren Bau, Vögel bauen Nester und Biber bauen Dämme.

Solange der Mensch in sehr begrenzter Weise seine Umgebung beeinflusst, kann durchaus weiter von einer Naturlandschaft gesprochen werden. Ebenso kann von einer Naturlandschaft gesprochen werden, wenn eine Kulturlandschaft lange genug nicht mehr genutzt und gepflegt wird und deshalb von der Natur zurück erobert wird. Dabei können Reste der Kulturlandschaft noch lange erkennbar sein.

Die Historische Geographie beschäftigt sich also mit der Entwicklung des Raumes in der Vergangenheit,
vor allem damit, wie der Mensch den Raum beeinflusst hat.

Mag auch auf den ersten Blick das Fach Historische Geographie mit der Museumsarbeit wenig zu tun haben, so verkehrt sich dies beim näheren Hinsehen ins Gegenteil. Vor allem Freilichtmuseen, stadt-
geschichtliche Museen und Museen, die sich mit der Technikgeschichte befassen, sollten auf die Mitarbeit der Historischen Geographie nicht verzichten. Sie alle beschäftigen sich mit den Wirkungen des Menschen im Raum: Sie zeigen, wie der Mensch seinen Lebensraum gestaltete, um zu überleben: Zum Siedeln und zur Sicherung der Ernährung, zur Arbeit, aber auch zur Erholung. Infrastrukturnetze wie Wasserleitungen, Straßen oder die Eisenbahn zeigen, wie diese vielfältigen Räume verbunden wurden und werden.

Auch die Boden- und Baudenkmäler, mit denen sich die Denkmalpflege vornehmlich beschäftigt, haben ihre Existenz der Raumwirksamkeit des Menschen zu verdanken.

Die Diskussion um die Klimaänderungen ist ein weiteres typisch historisch-geographisches Thema; kaum etwas wirkt so auf die Umgebung des Menschen, wie Wetter, Witterung und Klima: Wie war das Klima früher? Wie hat es sich verändert? Wie reagierten Mensch und Natur darauf? Die Antworten auf diese Fragen können uns helfen, das Thema besser zu verstehen und Strategien für die Zukunft abzuleiten.

Diese Vielseitigkeit des Faches Geographie und der Historischen Geographie im Besonderen zeigt sich auch in der geographischen Ausbildung: Sie enthält Elemente aus Naturwissenschaften und Technik, aus Kultur- und Geschichtswissenschaften, aus Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Welches andere Fach kann diese Vielfalt bieten?

Wichtige Bücher:

Hans Gebhardt, Rüdiger Glaser, Ulrich Radtke, Paul Reuber (Hrsg.):
Geographie - Physische Geographie und Humangeographie.
Heidelberg 2007 (Spektrum Akademischer Verlag).

Rüdiger Glaser:
Klimageschichte Mitteleuropas. 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen.
Darmstadt, mehrere Auflagen (Wiss. Buchgesellschaft).

Hansjörg Küster:
Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. Von der Eiszeit bis zur Gegenwart
München, mehrere Auflagen (C.H. Beck).